Die 5 wichtigsten Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf deutsche Schulen

Ein Jahr wie 2020 ist in dieser Form und Ausprägung Neuland für deutsche Schulen: Gekennzeichnet von vorübergehenden Schulschließungen, Hygienekonzepten und Heimunterricht müssen sich alle Beteiligten von Schulleiter*innen und Lehrkräften über die Schülerschaft bis hin zu den Eltern auf immer wieder neue und unvorhersehbare Situationen einstellen. Vieles musste ohne Vorbereitung und ad hoc funktionieren. Da jede Krise aber auch immer die Chance zu positiver Veränderung beinhaltet, stellen wir hier die fünf wichtigsten der möglichen Auswirkungen der Coronavirus-Krise auf Schulen in Deutschland vor.

1. Online- und Fernunterricht erweitern die Art zu unterrichten

Was vor der Corona-Pandemie an deutschen Schulen noch undenkbar schien, ist mittlerweile zum Alltag geworden: Online- und Fernunterricht als Ergänzung zum Präsenzunterricht zieht mehr und mehr in den Schulalltag ein. Vormals als Randthema behandelt, steht dieses nun im Zentrum der Aufmerksamkeit der digitalen Schule. Passende Konzepte werden diskutiert und Umfragen und Statistiken hierzu erstellt. Das somit erlangte Wissen zu diesen neuen Formaten des Unterrichts hat das Potenzial, auch in Zukunft Lehr- und Lernmöglichkeiten zu erweitern und zu bereichern. Die verschiedenen dazu gehörenden pädagogischen und technischen Hilfsmittel werden somit vermehrt eingesetzt.

2. Rückstände in der digitalen Infrastruktur an Schulen werden verstärkt angegangen

Die Notlage, in die Schulen durch die Corona-Pandemie gekommen sind, hat bestehende Lücken in der digitalen Ausstattung an Schulen verstärkt offengelegt. Ohne geeignete Infrastruktur  – sprich Digitalisierung an Schulen und digitalem Wissen – ist ein Aufrechterhalten des Unterrichtsbetriebs plötzlich deutlich schwerer möglich. Schnelle Internetverbindungen, Laptops, Tablets und interaktive Whiteboards mit Touchdisplay, zuvor oft nur als optionaler Zusatz zu „klassischem“ Unterricht angesehen, sind plötzlich unabdingbar. Die Dringlichkeit zur Investition in digitale Infrastruktur und zur Förderung der Digitalisierung wird somit vermehrt erkannt und auch die Zugänglichkeit zu Mitteln aus dem DigitalPakt wurde in diesem Sinne vereinfacht (Beispielsweise muss der MEP nun erst nach Abschluss einer Maßnahme eingereicht werden). Weiterhin gaben in einer GEW Umfrage im April 2020 nur noch 3 Prozent aller Befragten an, dass an ihrer Schule keine Planung oder Beantragung für Mittel aus dem DigitalPakt geplant ist. Die jetzt fließenden Gelder und Investitionen werden somit auch in Zukunft nachhaltig zu einer digitalen Schule und einer Digitalisierung von Bildung beitragen.

3. Chancengerechtigkeit muss erweitert gedacht werden

Durch die Corona-Krise erfahren an Schulen derzeit vor allem zwei Gruppen Einschränkungen und Nachteile: Kinder aus sozial benachteiligten Familien, welche typischerweise schlechteren Zugang zu Internetverbindung und technischen Geräten haben und somit schwerer per Fernunterricht erreicht werden können und solche Kinder (und auch Lehrkräfte), welche selbst zu einer Risikogruppe der Corona-Infektion gehören. Jene sind derzeit im Präsenzunterricht einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Diese beiden Gruppen sollen auch weiterhin ohne Nachteile und möglichst ohne Einschränkungen vor Ort oder digital von zu Hause aus am Unterrichtsgeschehen teilhaben können. Beide Gruppen profitieren hierbei insbesondere von einer besseren technischen Ausstattung einer digitalen Schule zur Ermöglichung eines digitalen Klassenzimmers.

4. Digitalen Plattformen und digitaler Weiterbildung für Lehrkräfte wird eine erhöhte Bedeutung zukommen

Neben der rein technischen Ausstattung erzeugt die derzeitige Corona-Krise auch ein ganz neues Angebot an digitalen Lernangeboten und Medien für Schulen. Die Bundesländer starten teilweise auch eigene Lehrplattformen, durch welche Lehrkräfte digitale Unterrichtsmaterialien beziehen können. Der Schlüssel zur erfolgreichen Nutzung dieser Plattformen liegt natürlich auch in einer erweiterten Fortbildungsmöglichkeit für Lehrkräfte in diesem Bereich. Speziell auf Lehrkräfte zugeschnittene erweiterte Infrastrukturen, welche Fortbildungskurse bezüglich der Anwendung und Nutzung digitaler Geräte und Medien ermöglichen, werden vermehrt gefordert. So gaben fast 60 Prozent von 1500 befragten Lehrkräften im Mai 2020 an, dass das während der Corona-Pandemie praktizierte Homeschooling für sie noch ein völlig neues Thema ist. Ein thematischer Einstieg und verschiedene Tipps zum Thema Fernunterricht befinden sich passend dazu in diesem Artikel Ein erster verständlicher Überblick zu den Anwendungsmöglichkeiten digitaler Technik und Medien im Unterricht befindet sich weiterhin auch im DigitalPakt 360° E-Book.

5. Erweiterte Hygienemaßnahmen gehören vermehrt zum Schulalltag

Im Schatten des Coronavirus ist ein Schulbetrieb nur unter strengen und erweiterten Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen möglich. Schulen sind derzeit gezwungen, reaktionsschnell ihren Unterricht je nach aktuellen Fallzahlen anzupassen. Ist eine Klasse in Quarantäne, so muss diese möglichst übergangslos zu Hause weiter unterrichtet werden können. Damit Schulen nicht zu Infektionshotspots werden, müssen Hygienevorschriften besonders beachtet werden und Schulen reagieren darauf mit erweiterten Konzepten zur Einhaltung dieser. Neben landesweiten Konzepten und Plänen muss sich somit auch jede Bildungseinrichtung für sich die Frage stellen, wie Hygienestandards sinnvoll und zielgerichtet vor Ort im Schulalltag eingesetzt und von allen akzeptiert und umgesetzt werden können.

Ein derzeit viel beachtetes Thema ist beispielsweise die fachgerechte Lüftung der Klassenzimmer auch in kälteren Jahreszeiten und welche Maßnahmen hierfür am praktikabelsten umzusetzen sind. Hier kann nachgelesen werden, wie Technologie in diesem Sinne zur besseren Hygiene im Klassenzimmer beitragen kann.

Fazit: Die Corona-Krise kann Startpunkt einer nachhaltigen Schulentwicklung sein

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Schulen und alle ihre Beteiligten derzeit auf eine harte Probe gestellt werden. Doch aus dieser Krise erwachsen auch neue Möglichkeiten. Viele Punkte – allen voran die Digitalisierung an Schulen – welche lange gefordert und oft nicht entschlossen genug angegangen wurden, werden derzeit mit vermehrter Dringlichkeit behandelt und umgesetzt. Neue Konzepte werden erkundet und ausprobiert. Technologien, welche Bildungseinrichtungen in Zeiten der Pandemie unterstützen, werden somit auch in Zukunft ihren Platz im Schulbetrieb haben. So können, bei allen Nachteilen und Einschränkungen, die derzeitigen neuen Konzepte und Technologien der entscheidende Motivator und Startpunkt einer nachhaltigen und umfangreichen Entwicklung hin zu einer digitalen Schule sein.