Eine Zwischenbilanz nach den ersten zwei Jahren DigitalPakt Schule 2019-2024

Es sind schon zwei Jahre seit dem Inkrafttreten des DigitalPakts vergangen. Nach der Erweiterung des Basisprogramms stellt der Bund für die Laufzeit 2019-2024 nun insgesamt 6,5 Milliarden Euro für die Digitalisierung an Schulen bereit, um die moderne Ausstattung im digitalen Klassenzimmer (etwa interaktive Tafeln) weiter zu ergänzen. Wir wollen den neusten Zwischenstand beleuchten: Wie viele Fördersummen wurden bisher verteilt? Kann das 50%-Ziel bis Ende des Jahres erreicht werden?

Einen Schritt näher am Ziel: 50 Prozent bewilligt bis Ende 2021?

In der Vereinbarung zum DigitalPakt Schule wurde das Ziel formuliert, dass bis Ende des Jahres 2021 mindestens die Hälfte der Finanzhilfen ausgezahlt bzw. bewilligt worden sein soll. Als der letzte Bericht zum Zwischenstand des DigitalPakts zum Abschluss des Jahres 2020 veröffentlicht wurde, waren 960 Millionen an Finanzmitteln bewilligt worden, zusammen mit den Auszahlungen belief sich die Zahl auf knapp 1,4 Milliarden. Das war etwa ein Fünftel des Gesamtbudgets. 

Es war jedoch eine positive Entwicklung festzustellen: In der zweiten Hälfte des Jahres 2020 machte sich eine deutliche Beschleunigung bei der Bewilligung der Fördermittel deutlich. Dies ist vor allem der Vereinfachung des Antragsverfahren zu verdanken, durch welches mehr Zeit zur Einreichung des Medienentwicklungsplans (MEP) zur Verfügung steht (mehr dazu lesen Sie in diesem Artikel). Durch die erhöhte Dringlichkeit einer raschen Digitalisierung durch die Corona-Krise wurden außerdem mehrere Zusatzprogramme zum ursprünglichen DigitalPakt geschaffen, um Schulen kurzfristig und möglichst unbürokratisch zu unterstützen. 

Der positive Trend von Ende 2020 setzt sich auch 2021 fort

Laut dem neusten Bericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ist auch im Jahr 2021 eine schnellere Mittelabführung zu beobachten. Seit Anfang 2021 wurden nun mit insgesamt 2,26 Milliarden Euro etwa ein Drittel der Gesamtsumme gebunden. Davon abgeflossen sind 852 Millionen Euro. Somit hat sich die Summe der zur Jahresmitte 2021 ausgezahlten Mittel im Vergleich zur vorherigen Jahreshälfte etwa verdoppelt.

Trotz der Zunahme des Mittelflusses wurde somit in den meisten Bundesländern noch immer weniger als die Hälfte der zur Verfügung stehenden Mittel beantragt oder ausgezahlt. Während Sachsen als Vorreiter bereits zum letzten Zwischenbericht alle Mittel vollständig aufgebraucht hatte, folgt derzeit Berlin auf dem zweiten Platz mit 79%. Die drei bevölkerungsreichsten Bundesländer bewegen sich im durchschnittlichen Bereich: In Nordrhein-Westfalen wurden 49%, in Bayern 29% und in Baden-Württemberg 41% der Mittel gebunden.

Geld aus Zusatzprogrammen nur teilweise abgeflossen

Etwa Mitte 2020 trat das erste Zusatzpaket in Kraft: Das Sofortprogramm für die Bereitstellung von digitalen Endgeräten für Schülerinnen und Schüler. Von den 500 Millionen Euro sind die Bundesmittel mit 470 Millionen Euro fast vollständig ausgeschöpft. Mit dem Bericht des BMBF liegen nun auch die ersten Zahlen für die jüngeren Zusatzprogramme vor, welche ebenfalls je 500 Millionen an Fördersummen umfassen. Aus dem Paket „Leihgeräte für Lehrkräfte“ sind rund 192 Millionen Euro abgerufen, daher sind hier noch einige Mittel offen. Aus dem Paket „Administration“, welches das viel diskutierte Problem der fehlenden IT-Fachkräfte an Schulen angehen soll, sind bisher nur etwa 9000 Euro ausgezahlt worden.




Gerade für langfristigen Erfolg in der digitalen Bildung bedarf der Bereich Administration einer weiteren Förderung, denn mit dem Basis-DigitalPakt können zwar Mittel zur Bereitstellung der digitalen Infrastruktur beantragt werden, wie etwa von interaktiven Displays, nicht jedoch zur Betreuung und Wartung derselben. Laut einer Umfrage, die das Deutsche Institut für Urbanistik im Auftrag der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) durchführte (die FAZ berichtete), zählen „personelle Engpässe in der Fachverwaltung“ zu den Hauptgründen für den nicht ausreichend schnellen Mittelabfluss. Auch pandemiebedingte Lieferengpässe wurden genannt. Außerdem sahen mehr als 90% der befragten Kommunen eine Notwendigkeit für dauerhafte Investitionen im Bereich Schuldigitalisierung.

Weitere Entwicklung der Digitalisierung an Schulen

So hat sich auch die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und brandenburgische Bildungsministerin Britta Ernst für eine Verstetigung und Ausweitung des Digitalpakts ausgesprochen. Im Interview mit der ZEIT ONLINE äußerte sie, dass unabhängig von der Corona-Pandemie nicht nur weiter in die digitale Ausstattung investiert werden sollte, sondern auch ein Fokus auf Didaktik und damit entsprechende Lehrkräftefortbildungen im Bereich digitale Unterrichtsgestaltung gelegt werden muss.

Ein erster Schritt, um Lehrkräfte bei der Einführung digitaler Unterrichtsmethoden zu unterstützen, wird nun mit dem jüngsten Förderprojekt des DigitalPakt Schule getan: Ziel des Educheck Digital (EDCD) ist es, ein standardisiertes Verfahren zur Prüfung digitaler Bildungsmedien zu entwickeln, sodass diese technisch zuverlässig sowie rechtskonform im Unterricht eingesetzt werden können. Für die Projektumsetzung wurde das Medieninstitut der Länder FWU – Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht – beauftragt. Zur Finanzierung werden Mittel aus dem Digitalpakt Schule in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro bereitgestellt.

Hilfsmittel für Schulen und Schulträger zur Mittelbeantragung: DigitalPakt 360° E-Book und DigitalPakt Rechner

Für Schulen und Schulträger, welche derzeit noch keine Mittel aus dem DigitalPakt beantragt haben, bedeutet die aktuelle Situation also vor allem: Es können noch Anträge gestellt werden. Während auch nach gut zwei Jahren Jahren DigitalPakt nicht gesichert ist, ob das Zwischenziel bis Ende 2021 zu erreichen ist, so zeichnet sich dennoch ein Trend zu einem schnelleren und einfacheren Mittelabfluss ab.

Für weitergehende Informationen über den DigitalPakt Schule 2019-2024 und die Antragsverfahren in den verschiedenen Bundesländern haben wir in diesem Rahmen als unterstützende Lektüre das DigitalPakt 360° E-Book für interessierte Schulen und Schulträger erstellt. Dieses gibt einen vollständigen Überblick über das Programm sowie ausführliche Informationen für jedes Bundesland und kann hier angefordert werden. Weiterhin kann durch den DigitalPakt Rechner ein individueller und unverbindlicher Vorschlag für die Beschaffungsmöglichkeiten der digitalen Ausstattung erstellt werden, der als Orientierung in Bezug auf Art und Umfang der potenziellen Ausstattung dient. Zum digitalen Klassenzimmer gehört etwa die Ausstattung mit interaktiven Flachbildschirmen. Auch wenn einige Schulen schon über Whiteboards der letzten Generation verfügen, kann sich ein Umstieg auf interaktive Displays lohnen.