Mit zunehmender Implementierung von Bildungstechnologie im Klassenzimmer rückt deren Aufwand-Nutzen-Verhältnis in den Vordergrund

In Zeiten, in denen Schulen sich in einem digitalen Wandel befinden, müssen diese sich mit der Frage beschäftigen, welche Bildungstechnologien für ein Klassenzimmer geeignet sind und wie diese effizient und effektiv eingesetzt werden können. Hierbei sollte das Aufwand-Nutzen-Verhältnis positiv sein. Wir erklären, was hiermit gemeint ist, und wie mit dem digitalen Klassenzimmer ein optimales Verhältnis erreicht werden kann.

Mit dem Aufwand-Nutzen-Verhältnis digitaler Bildungstechnologien ist im hier nicht etwa deren finanzielle Amortisierung gemeint. Es geht darum, inwieweit sich der zeitlich-organisatorische und kognitive Aufwand aufwiegt, der für die Integration von Bildungstechnologie veranschlagt wird – etwa durch Zeitgewinne im Unterricht und neue erkundbare Horizonte im Rahmen der Digitalisierung an Schulen. Um dieses Verhältnis möglichst positiv zu gestalten, sollte darauf geachtet werden, dass Bildungstechnologien stets so ausgestaltet und in das digitale Klassenzimmer eingebunden sind, dass diese summa summarum: 

  • Lehrkräften im Unterrichtsverlauf Zeit ersparen statt Mehraufwand verursachen;
  • zwischenmenschliche Interaktionen erweitern, statt diese einzuschränken;
  • Lehrkräften erlauben, auch außerhalb des Klassenzimmers positiv auf Schülerinnen und Schüler einzuwirken. 

 

Kombination von anwendungsgerechter Technologie und Lehrerfortbildung: Mehr Zeit für Unterricht

Lehrer sind heutzutage gefordert, sich in kürzester Zeit Wissen zu neuen Bildungstechnologien anzueignen, um diese zielgerichtet im Unterricht einzusetzen. Dies tritt nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie zutage. Doch auch unabhängig von dieser Extremsituation wird sich das Bildungsökosystem und die zugehörige Infrastruktur an neue Technologien und Unterrichtsstrategien anpassen. Um diese bestmöglich zu nutzen, ist eine zielgerichtete und pädagogisch-technische Lehrerfortbildung von weitreichender Bedeutung. Diese Fortbildungen stellen natürlich zunächst einmal einen Aufwand dar.

Umso wichtiger ist es, bei der Auswahl der zu verwendenden Bildungstechnologien den Nutzen – ob zeitlich oder pädagogisch – im Auge zu behalten. Als erster Schritt sollte grundsätzlich darauf geachtet werden, solche Geräte zu wählen, die intuitiv bedienbar sind und somit wenig Eingewöhnungs- und Trainingszeit benötigen. Darüber hinaus ist es aber von ebenso großer Bedeutung, nach Bildungstechnologien zu suchen, die den Lehrerinnen und Lehrern wiederkehrende, bisher zeitraubende Aufgaben abnehmen. Einmal erlernt und richtig angewandt, kann ein per interaktivem Whiteboard erstelltes Tafelbild jederzeit wiederverwendet und auch in folgenden Unterrichtsstunden Stück für Stück im Dialog mit den Schülerinnen und Schülern aufgebaut werden. Soll auf aktuelle Ereignisse Bezug genommen werden, so können nachträglich jederzeit Informationen hinzugefügt oder auch entfernt werden. Beides ist mit herkömmlichen Methoden wie analoger Tafel und Arbeitsblättern deutlich zeitaufwendiger oder auch schlicht nicht möglich.

Eine weitere Möglichkeit, die Unterrichtszeit durch moderne Bildungstechnologie zu optimieren, ist der Einsatz von automatisierten Login-Verfahren. Diese ermöglichen es den Lehrkräften, schneller auf netzwerk- und cloudbasierte Dateien und Unterrichtsaufzeichnungen zuzugreifen. Moderne interaktive Displays erlauben es dabei per NFC-Karte (alternativ: QR-Code oder Passworteingabe) bei Unterrichtsbeginn sofort auf die jeweiligen persönlichen Lehrumgebungen der Lehrkraft zuzugreifen. Weiterhin werden direkt alle nötigen Unterrichtsmaterialien in jedes Klassenzimmer geladen, ohne vorher umständlich weitere Zugangsdaten einzugeben oder physische Datenträger wie externe Festplatten einzurichten.

Die Lehrkraft wird also von komplizierten Anmeldungsverfahren vor der Unterrichtsstunde befreit und auch das klassische Auspacken und Vorbereiten analoger Unterlagen entfällt. Mehr zu den organisatorischen Aspekten der modernen Bildungstechnologie wie diesen sogenannten Account-Management-Systemen (AMS) zur Benutzerkontensteuerung erfahren Sie hier. Soll im Rahmen des DigitalPakts Schule 2019-2024 in moderne Bildungstechnologie investiert werden, so werden diese genannten und weitere Kriterien beispielsweise in unserem hierfür erstellten DigitalPakt Rechner standardmäßig berücksichtigt.

Bildungstechnologie soll die Möglichkeiten der zwischenmenschlichen Interaktion erweitern, statt diese einzuschränken

Ist die Bildungstechnologie bereits für einen reibungslosen Unterricht eingerichtet und der Umgang mit derselben schon erprobt, so kann der nächste Punkt angegangen werden: pädagogische Möglichkeiten und zwischenmenschliche Interaktion erweitern. Ältere oder nicht speziell für das digitale Klassenzimmer vorgesehene Lösungen wie etwa herkömmliche Whiteboards scheitern hier meist schlicht aufgrund technischer Limitierungen. Die Gefahr eines reinen Frontalunterrichtes und bloßen Medienkonsums besteht und die Möglichkeiten modernster Bildungstechnologie werden nicht ausgenutzt.

Neuere Geräte gehen dieses Problem aus mehreren Perspektiven an. Zunächst können an modernen interaktiven Whiteboards mehrere Nutzer gleichzeitig ohne Probleme oder Verzögerungen Eingaben betätigen. Hierbei lassen sich alle Beiträge beliebig verschieben, in der Größe ändern oder auch die komplette Anzeige erweitern. Im Gegensatz zur klassischen Tafel kann dabei die „Schreibfläche“ nicht ausgehen. Mit der neusten Bildungstechnologie der interaktiven Displays können auch Gruppenarbeiten an Laptops, Tablets oder Smartphones der Schüler über entsprechende integrierte Software und unkomplizierte Geräteanbindungen verteilt, gezielt und in Echtzeit gesteuert werden. Eine anschließende Kontrolle und Auswertung im Plenum ist sowohl im Präsenz- als auch Fernunterricht möglich.

Vor dem Hintergrund der aktuellen COVID-19-Lage haben wir hier Ideen und Anregungen zusammengetragen, wie ein derartiges kollaboratives Lehren und Lernen auch in Pandemiezeiten mithilfe von moderner Bildungstechnologie möglichst hygienisch in Hybrid- und Distanzunterricht umgesetzt werden kann. 

Um neuartige Methoden des kooperativen Lernens zielgerichtet anzuwenden, benötigt es natürlich auch eine an moderne Bildungstechnologie angepasste Pädagogik. Eine populäre und oft verwendete Unterrichtsform ist hierbei beispielsweise das sogenannte „Flipped Classroom“-Konzept. Bei diesem werden die Lerninhalte zu Hause von Schülerinnen und Schülern erarbeitet und die Anwendung und Diskussion geschieht im Klassenzimmer. Eine Einführung in dieses Themengebiet befindet sich auch im DigitalPakt 360° E-Book.

Fazit

Insgesamt können Lehrkräfte Bildungstechnologien im digitalen Klassenzimmer als Werkzeuge betrachten, die Sie nutzen können, um die Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung zu bereichern. Deren Implementierung mit geringstem Aufwand und der effektive Einsatz mit größtem Nutzen zur Erleichterung des Lernens ist damit ein wesentlicher Faktor der Erfolgsmessung des langfristigen digitalen Wandels an Schulen.