Pandemiebedingte Lernrückstände angehen. Ein bildungstechnologischer Ansatz für Schulen und Schulträger

Die globale Corona-Pandemie hat enorme Auswirkungen auf nahezu alle Bereiche der Gesellschaft. Besonders betroffen sind auch Schülerinnen und Schüler seit der Umstellung auf Online-Unterricht: Lernrückstände und deren Aufarbeitung stellen alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Aus diesem Grund sind moderne Hygiene-Lösungen für eine gesunde Lernumgebung nicht das Einzige, was Schulen und Schulträger für das anstehende Schuljahr 2021/22 beachten sollten. Für einen Ausgleich der Lerndefizite, die sich seit 2020 angehäuft haben, bedarf es eines nachhaltigen bildungstechnologischen Gesamtkonzepts.

Daten der UNESCO zeigen, dass auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie im März 2020 weltweit über 1,6 Milliarden Schüler direkt von Unterrichtsausfällen betroffen waren und keine Schule besuchen konnten. Dies hatte eine Umstellung auf E-Learning zur Folge. Über die Lernumstände in dieser Online-Phase gibt es bisher noch keine großangelegten Studien, jedoch weisen Zahlen aus repräsentativen Umfragen wie dem „deutschen Schulbarometer“ auf Verbesserungsbedarf hin: Laut elf Prozent der befragten Lehrkräfte sei es fast bei allen Schülern zu Defiziten gekommen, 27 Prozent der Lehrerschaft konnte bei mehr als der Hälfte messbare Lernrückstände feststellen. Und das ist erst der Anfang der Evaluation des vergangenen Corona-Schuljahres.

Aufarbeitung der Lernrückstände in drei Schritten

Versäumnisse in der Wissens- und Kompetenzvermittlung während der E-Learning-Phase und die resultierenden Lernrückstände sollen an fehlender didaktischer Direktive im Online-Unterricht liegen. Lehrkräften mangelt es teilweise noch immer an bildungstechnologischer Expertise – doch genau dieser bedarf es, um sowohl während des Höhepunkts einer Pandemie als auch jetzt eine didaktisch wertvolle Bildungsumgebung gewährleisten zu können. Bevor wir uns die Vorteile der Digitalisierung für einen schnelleren und besseren Ausgleich der Lernrückstände ansehen, soll die Aufgabe der Wissensaufarbeitung zunächst in drei Schritte gegliedert werden:

  • Schritt 1: Umfassende Erhebung des Lernstandes und der Lernrückstände für eine Kategorisierung des  aufzuholenden Wissens
  • Schritt 2: Erstellung eines Konzeptes und Zeitplans zur Wissensaufarbeitung
  • Schritt 3: Durchführung des Plans zur Wissensaufarbeitung mit stetig parallel laufenden Lernstandserhebungen zur Fortschrittsbeobachtung 

Um Kompetenz- und Lernrückstände langfristig anzugehen, reicht eine bloße Rückkehr zum traditionellen Präsenzunterricht nicht aus: Für eine zukunftsorientierte Lösung ist eine Integration der didaktischen Expertise aus dem Präsenzunterricht mit moderner Bildungstechnologie von Nöten. So können die drei Schritte der Wissensaufarbeitung wesentlich leichter bewältigt werden und langfristige negative Auswirkungen der Pandemie auf aktuelle und zukünftige Schülergenerationen – und damit auch für die Gesellschaft als Ganzes – vermieden werden. Es gibt gute Gründe dafür, warum die Digitalisierung an Schulen von Experten gefordert und auch von der Politik staatlich gefördert wird, etwa durch den DigitalPakt Schule.




Bildungstechnologie als Schlüssel bei der Wissensaufarbeitung

Moderne Lehr- und Lernkonzepte haben während der Pandemie einen Aufschwung erfahren. Lehrkräften wurde sehr schnell klar, dass für eine erfolgreiche digitale Bildung eine Anpassung der traditionellen pädagogisch-didaktischen Methoden erfolgen muss. Denn genau hier hakte es beim plötzlichen Umstieg zum Online-Unterricht: Wenn überhaupt E-Learning-Strukturen in der Schule vorhanden waren, dann war das Lehrpersonal meist nur unzureichend darüber geschult, wie sie diese ganzheitlich im digitalen Unterricht nutzen können. Mit umfassenden digitalen Lehrkonzepten können Lernrückstände gezielt verhindert und aufgearbeitet werden.

Richtig konzipiert und eingesetzt ist ein abwechslungsreiches und interaktives digitales Klassenzimmer genau das, was Schüler auch nach den herben Verlusten während der Pandemie für den Schulunterricht begeistern und sie zur Bewältigung der Lernrückstände ermuntern kann. Moderne Technologie wie der Einsatz digitaler Whiteboards ermöglicht es Pädagogen und Lehrern, die Zusammenarbeit und Mitarbeit in der Klasse stärker zu fördern. Denn moderne interaktive Tafeln haben weit mehr als nur eine Projektorfunktion. Zum Beispiel können Notizen in Echtzeit gemeinschaftlich gesammelt, kategorisiert, bearbeitet und geteilt werden, ohne dass die Schüler selbst an der Tafel stehen müssen. So entstehen bessere Kapazitäten für die Aufarbeitung der Lernrückstände, da auch in größeren Klassen mit vielen Schülern eine umfassende Einbindung jedes Einzelnen möglich ist.

Technisch-didaktische Integration für zukunftsweisendes Lernumfeld

Durch die Erkenntnisse aus der Corona-Pandemie und den ersten Studien in Bezug auf Lernrückstände sind wir jetzt an einem Punkt angelangt, an welchem moderne Lehrkonzepte und deren technische und didaktische Integration oberste Priorität haben sollten. Besonders hervorzuheben ist das Konzept des Blended Learning – auf Deutsch auch integriertes Lernen genannt. Hierbei wird traditionelle Präsenzlehre mit E-Learning kombiniert. 

Dieses zukunftsträchtige Konzept bietet die perfekte Möglichkeit für eine effektivere Wissensaufnahme und -überprüfung, auch wenn Lernrückstände bestehen. Durch den Wechsel aus Präsenz- und Online-Unterricht können unterschiedliche Lernniveaus besser bedient werden, da individuelle Anpassungen vorgenommen werden können: Zunächst können Lernrückstände sowie individuelle Stärken und Defizite durch Classroom-Response-Systeme wie interaktive Feedbacks erkannt werden. Aufbauend auf den Ergebnissen kann die Vermittlung der Lerninhalte besser in zyklische Erarbeitungs- und Vertiefungsphasen im Präsenz- und Online-Unterricht eingeteilt werden. Je nach den individuellen Bedürfnissen der Schüler können Lehrkräfte so auch passgenaue Zusatzaufgaben verteilen, um ein Gleichgewicht der Erarbeitungs- und Vertiefungsphasen sowie eine Synchronisation des Lernstandes zu erreichen. 

Dies ist das Umfeld, das Bund und Länder, Schulträger und Schulen ihren Schülern ermöglichen sollten, sodass sie trotz der langwierigen Auswirkungen der Corona-Pandemie erfolgreich und zukunftsorientiert lernen und Lernrückstände bewältigen können. Ein umfassendes bildungstechnologisches Angebot durch Schulen kann außerdem die Ausweitung der „digitalen Kluft“ zwischen benachteiligten und wohlhabenden Familien verhindern und somit für mehr Bildungsgerechtigkeit sorgen.




Aufarbeitung der Lernrückstände durch den DigitalPakt Schule finanzieren

Durch das Förderprogramm DigitalPakt Schule 2019-2024 werden Investitionen für digitale Ausstattung an Schulen staatlich subventioniert. Durch moderne Lernkonzepte wie Blended Learning können Lernrückstände adäquat angegangen werden, was jedoch einen Umstieg auf neuste Technologien erfordert. Durch die Unterstützung bei der Finanzierung kann der erste Schritt der Schulen und Schulträger in Richtung des Ziels eines bildungstechnologischen Gesamtkonzeptes getan werden.